Der Laufschuh als Ursache von Verletzungen und Beschwerden

Krankenhaus für Sportverletzte - 58515 Lüdenscheid
Abt. Sportmedizin - Dr. med. Theo. Steinacker

Laufschuhe stellen für den Läufer das wichtigste Ausrüstungsteil dar. Es gibt heutzutage ein großes Angebot an verschiedenen Laufschuhen von verschiedenen Firmen und in verschiedenen Preiskategorien, welches die Auswahl allerdings auch erschwert. Für den Läufer ist es sehr wichtig, den für ihn richtigen Schuh zu finden. Dies gelingt ihm nur, wenn er entsprechende Kenntnisse besitzt und sich auch genügend Zeit nimmt bei der Schuhauswahl. Die Belastung der Schuhe beim Laufen ist sehr hoch. So muß beim 10-km-Lauf der Schuh eine Last von ca. 500-750 Tonnen tolerieren. Vor der Aufnahme des Laufsports ist eine orthopädische Grunduntersuchung zu empfehlen, um evtl. Fehlstatiken und Fußproblematiken festzustellen, welche dann besonderes Schuhwerk erforderlich machen. Besonders wichtig bei der Schuhauswahl ist die richtige Schuhgröße. Oft besteht eine Längen- und auch Breitendifferenz zwischen linkem und rechtem Fuß, beim Schuhkauf ist natürlich der größere Fuß der maßgebende. Auch ist zu beachten, daß beim längeren Gehen und Laufen der Fuß anschwillt und zusätzlichen Raum braucht, deshalb sollte der Schuh immer eine Schuhnummer größer als normal gekauft werden. Es hat sich auch bewährt, die Schuhe abends oder nach einem Trainingslauf anzuprobieren. Der Trend geht heute zum leichten, flexiblen, gut gedämpften Schuh, wobei des Guten manchmal zu viel getan wird. So kann z.B. eine hohe Dämpfung der Achillessehne schaden, flexible Konstruktionen bieten den meisten Läufern zu wenig Führung. Entscheidend für den Halt der Ferse im Schuh ist die Fersenschale, diese muß eine ausreichende Stabilität und Höhe haben. Die Zwischensohle stellt das Herz des Laufschuhs dar, besteht aus druckgeschäumten Kunststoffen und ist vornehmlich für die Dämpfung des Schuhs verantwortlich. Zu bedenken ist, daß auch Schuhe altern, so hat nach ca. 600 km Laufleistung die Fähigkeit der Dämpfungsschicht, sich nach jedem Schritt wieder aufzurichten, bereits um ein Drittel nachgelassen. Spätestens nach 1000 km sollten deshalb die Schuhe gewechselt werden. Dämpfung ist vor allen Dingen bei Laufen auf hartem Untergrund bzw. für Läufer mit hohem Körpergewicht erforderlich. Allerdings ist hohe Dämpfung auf weichem Wald- oder Sandboden eher störend, hier droht die Gefahr des Umknickens oder von Muskel- oder Sehnenüberlastungsschäden. Die Erhöhung der Ferse gegenüber der Vorfußpartie wird Sprengung genannt, Zwischensohlen sind im Fersenbereich etwa um das 1,8fache dicker als unter den Ballen.

Bei anatomischen Fußvariationen (Senk-Spreizfuß, Hohlfuß, Knick-Senkfuß, Plattfuß) sind ggf. orthopädische Einlagen erforderlich.

Für Laufanfänger ist es oft schwierig, den richtigen Laufstil zu finden. Man unterscheidet den Fersenlauf und den Ballenlauf. Die meisten Läufer laufen automatisch über die Ferse, dies führt zu einer stärkeren Kniebelastung. Der Ballenlauf ist zwar wesentlich dynamischer, fordert jedoch eine austrainierte Wadenmuskulatur. Beim Ballenlauf kommt es zu erhöhter Belastung im Vorfußbereich, insbesondere im Bereich der Zehengrundgelenke und der Mittelfußknochen.

Unter Pronation versteht man das natürliche Einknicken des Fußes während des Abrollvorganges. Dieses Einknicken dient zur Dämpfung des Fußaufpralls, ob barfuß oder mit Laufschuhen. Nach dem Aufsetzen auf der Außenseite der Sohle verlagert sich die Belastung zur Innenseite, damit das Längsgewölbe einsinkt und damit ein Teil des Aufpralls übernimmt. Diese natürliche Bewegung sollte auf keinen Fall durch zu steife Sohlenkonstruktionen verhindert werden. Bei Läufern mit Knick-Senkfüßen, zumal, wenn sie zu weiche Zwischensohlen tragen, ist eine Überpronation feststellbar. Dieses kann zu Muskelsehnenbeschwerden im Bereich des Unterschenkels und der Kniegelenke führen. Mittels Laufbandanalyse kann eine solche Überpronation festgestellt werden. Als Therapie ist die Anfertigung einer orthopädischen Sporteinlage angebracht.

Abschließend noch 10 Tips für den Laufschuhkauf:
Suchen Sie ein Geschäft mit großer Auswahl und guter Beratung.
Ein Laufband sollte vorhanden sein (Probelaufen).
Vermeiden Sie Zeiten von größerem Käuferandrang.
Probieren Sie die Schuhe nachmittags oder nach dem Laufen an.
Gewicht, Fußform, Laufumfang, Laufgelände und Laufstil müssen in die Auswahl eingehen.
Nehmen Sie Einlagen, alte Lieblingsschuhe und Laufsocken mit.
Nehmen Sie den Schuh, der am besten paßt (nicht den schönsten).
Der Schuh muß ausreichend Zehenfreiraum haben (1-2 cm).
Die Ferse muß einwandfrei durch den Schuh geführt werden.
Die Knöchel dürfen den oberen Schuhrand nicht berühren.


Literatur:
Der optimale Laufschuh. Frank Czioska. Meyer & Meyer Verlag. ISBN 3-89124-586-6
Laufen ohne Risiko. Joe Ellis. BLV-Verlag. ISBN 3-405-14835-9
Laufen. Dr. Wessinghage. BLV-Verlag. ISBN 3-405-14764-6.

Gefunden bei: www.sportkrankenhaus.de

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